Jeden Tag
Um mal ein bißchen die Berichte zu relativieren: Ja, ich muß hier - oder ich darf hier - auch arbeiten. Mein Tag beginnt hier um sechs Uhr morgens. Geweckt wird man hier von einem Vogel. der so erbärmlich schreit, das ich seit meiner Ankunft jeden morgen glaube, einer unserer Nachbarn - die ich bis jetzt leider nur gehört und nicht gesehen habe - quält sein neugeborenes Kind. Ein schnelles Frühstück - oft schon draussen - und dann geht es ab zur Schule. Allerdings nicht einfach einsteigen und loßfahren,. Als erstes die Schaltsperre aus dem Auto enfernen. Dann die Lenkradkralle lösen und austeigen und das Schloss am Tor öffnen. Wieder zurück zum Auto - der Driveway ist 20 Meter lang und zurückgesetzt bis auf die Strasse. Aussteigen, Tor schliessen und das Schloss von innen anbringen. Gate im Tor öffnen und rausgehen, abschliessen. Auto wieder aufschliessen und schon.... ab zur Highschool. Dort angekommen.....warten, das der Wächter das Tor aufmacht. Und ab jetzt sind wir sicher.
7:20. Parken und auf geht es zum morgentlichen Staffmeeting. Punkt 7:30 geht es los. Also nicht immer. Manchmal fünf Minuten später, überraschenderweise auch mal drei Minuten früher. Deswegen :" Fünf Minuten vor der Zeit, ist des Königs Pünklichkeit".
Staffmetting! Also eigentlich trifft sich das gesamte Personal im Lehrerzimmer und beginnt den Tag mit einen Prayer. Dann meine Lieblingsfrage der Direktorin : "Everybody is here? Anybody absent?" Teil eins wird mit kollektivem "Yes" beantwortet, bei Teil zwei hat noch nie jemand geantwortet. Merkwürdig! Rest der Veranstalltung: Technisches und Administratives, Hinweise auf Sachen, die die Schüler sollen/nicht sollen. (Falscher Haarschnitt; falsche Sachen zur Schuluniform; falsches Verhalten gegenüber Lehrer/Mitschülern/Personal etc.) Und dann ist ein besonderes Highlight (oder "Highleid") der Geburtstag einer/s Kollegen/in. Man bekommt dann von Frau Direktor eine Tafel Schokolade geschenkt und das gesamte Kollegium stimmt ein fröhliches "Happy Birthday" an. Ich bin definitiv froh, das mein Geburtstag erst im Januar ist. Ich kann versichern, das ich nicht wirklich einen Hörgenuss verpasse.
Auf gehts in die "Skillsektion". 8:00. Schulbeginn. Egal ob Praxis oder Theorie, jeder Schüler hat sich umzukleiden und das nimmt bei 19 Schülern - vier davon weiblich - schon mal eine halbe Stunde in Anspruch. Zwei Stunden Unterricht bis um zehn. Mal Errol , mal ich, manchmal in zwei Gruppen, manchmal auch mehr, in den praktischen Übungen. Michel hilft dann mit. Räder montieren, Achsmanschetten wechseln, Anlasser tauschen, Lichtanlage instandsetzen usw. Theorie ist im Moment Grundwissen Motor.
10:00 First break - Pause. 15 Minuten Ruhe."Keeping a bunch of flies" ,Zirkusdirektor, oder Alleinunterhalter. Aber Spass macht es trotzdem. Bis um 12:00 geht es weiter. Mittagspause. Und hier gestehe ich, das die dreißig Minuten auch schon dringend von dem alten Mann gebraucht werden. Bis drei geht es dann in eins durch. Um halb drei, dann allerdings schon umziehen. Raus aus den Schuloveralls und rein in die Schuluniform. Graue Hose, schwarze Schuhe, weißes Hemd und blauer Bläser. Dazu die Kravatte mit Schulwappen.
Dann heißt es für Errol, Michael und mich noch Lagebesprechung, von der ich allerdings gestehen muß, das sie sehr entspannt verläuft. Gegen vier verlasse ich dann -zusammen mit den anderen Kollegen - das Schulgelände. Meist im Pulk, denn dann wird der toröffnende Rentner etwas entlasstet.
Drei bis vier mal die Woche fahre ich dann noch durch die halbe Stadt, um bei unserem Lieblingsteilehändler irgendwelche Ersatzteile zu besorgen. Wirklich durch die halbe Stadt. 25km: ein Weg!. Und das zur Hauptverkehrszeit... Dauert meistens etwas 1,5 Std.
Und dann? Jaaaa. Dann!. Feierabend. Und dann tue ich all die Dinge die ihr zuhause auch tut. Einkaufen, Wäsche waschen, Saubermachen, Abendessen und manchmal eine e-mail schreiben oder bloggen. Und manchmal sitze ich auch einfach mal dreißig Minuten im Garten und geniesse die Sonne und lese ein wenig. Aber da sich dieses Prozedere noch bis zum 28. November in fast immer der gleichen Form hinziehen wird, schreibe ich als nächstes Mal lieber wieder von den besonderen Dingen,die ich erlebe. Die Wertschätzung meiner Arbeit drückt sich für mich dadurch aus, das z.B. viele meiner "Kollegen" um Rat und Hilfe fragen, was ihre Autos betrifft, und ich schon aufpassen muss, niemand vor den Kopf zu stossen, was zum Beispiel die Einladungen zum Essen angeht. Aber trotz allem Spass und den vielen Vergünstigungen, die mir hier zuteil werden, ist das Arbeiten in einer Stadt wie Joburg schon Aufgrund seiner klimatischen und geografischen Bedingungen schon ganz anders und deutlich anstrengender als in Ostwestfalen. Aber selbst das Arbeiten ist eine interresante Erfahrung, die ich -zugegebenermaßen neben den Ausflügen und Kurztrips - auf keinen Fall missen möchte und ich bin froh, diese Entscheidung so getroffen zu haben.
Allerdings freue ich mich auch auf Ostwestfalen. Den das ist, und bleibt meine Heimat. Und ein bisschen Heimweh nach meinen Freunden wird jawohl erlaubt sein......