Weekend 1
Bis jetzt klappt alles noch nicht wie geplant. Alle gemachten Pläne sind über den Haufen geworfen worden. Für letzte Woche hatten sich einige Sponsoren angesagt - von denen allerdings nur etwas die Hälfte aufgetaucht ist - und so wurde das Programm geändert. Wir haben an meinem neugeliehenen Toyota Corolla 1,3 Baujahr 1997 ein wenig herumgebastelt und Fehlersuche durch die Schüler machen lassen. Einen kompletten Service und eine Überprüfung der Lichtanlage eingeschlossen. Leider habe ich festgestellt, das den Schülern dabei extrem viel Grundlagen fehlen. Trotzdem hat es Spass gemacht. Bei einem ungeplannten Ausflug nach Roodeport, habe ich einmal mehr die Einsatzfreude und den Willen zu unterrichten der Sparrowlehrer kennengelernt. Sicherlich spielt auch die Möglichkeit einen Arbeitsplatz zu finden hier mit rein, aber das sind Anfahrten, die in Deutschland wohl eher keiner auf sich nehmen würde.
Eigentlich wollte ich am Donnerstag nur Teile beim Händler abholen. In der Mittagspause haben wir im Pausenhof der Skillssektion - ja, die Handwerker geniessen ein gewisses Ansehen und einige Verguenstigungen ( Bilder diese Luxusplatzes folgen) - darüber gesprochen, und Wayne (Tischerei) und Tubby (Catering) haben gefragt ob ich sie mitnehmen könne. Wer bin ich das ich "Nein" sage? Allerdings hatten wir das eine oder andere Problem mit dem gegenseitigen Verstaendniss. Während ich von Randpoort sprach - das andere kannte ich garnicht - verstanden die anderen Roodeport. Als wir das nach 2km herausfanden, habe ich selbstverständlich sofort erklärt sie trotzdem nach Hause zu bringen.
Allerdings wusste ich bis dahin nicht, das Randport and Roodeport jeweils am gegenüberliegenden Ende von Joburg liegen. Danach schon. Wayne und Tubby steigen an der selben Haltestelle ein. Um 5:30 Uhr. Danach folgen fast 1,5 Stunden Busfahrt. In der Nähe der Schule - und Nähe meint nicht um die Ecke - folgen noch 20 min strammer Fußmarsch. Auch Errol hat mir nach diesem Erlebnis am folgenden Freitagmorgen erzählt, das er ca. 80 km Anfahrt einen Weg hat. Hochachtung. Für Wayne, der auf der linken Seite hinten saß, hatte dieser Ausflug auch noch alptraumhafte Eindrücke, die er Freitagmorgen zum Besten gab. Ich bin wohl ein bißchen weit links gefahren. Er konnte sehr detalliert die Ängste beschreiben, die die Autos an denen ich vorbeifuhr in Ihm auslösten. Sie waren wohl sehr nahe. Und als ich dann auch noch - allerdings auf seine Anweisung - in eine Einbahnstrasse eingebogen bin und erst nach 100 Metern gedreht habe - es kam schliesslich keiner - hat er geschworen, nie wieder auch nur daran zu denken, bei mir ins Auto zu steigen.
Nach einem netten Brai - dem traditionellen südafrikanischen BBQ - im Garten von 1st55,zur Ankunft der neuen Volontaire, ging es am Samstag mit dem Schulminibus um 10:30 Richtung Parays. Da wir zu Acht unterwegs waren - zwei Volontair für ein Projekt in Parays und zwei Volontaire für Soveto, die allerdings mit uns das Wochenende verbrachten, weil sie in ihrem Projekt noch nicht starten konnten und Katie, Melanie, ihr jüngster Sohn Neo und ich - war der Bus tatsächlich bis unter das Dach vollgepackt, was zwar für die ein einhalb stündige Fahrt der Bequemlichkeit, nicht aber der Stimmung abträglich war. In Parys angekommen wurden wir auf die allerherzlichste Art mit Suppe und geschmierten Broten von den Leitern des Projekts, dem Ehepaar Katherine und Murray emfangen. Parays sieht aus wie eine amerikanische Vorstadt. Ein kleines , verschlafenes Nest in dem man seinen Ruhestand verbringen möchte. Wunderschöne Hauser mit gepflegten Vorgärten – die man im Gegensatz zu Joburg,wo alles von Mauern mit elektrischen Zäunen umgeben ist – durchaus sehen kann. Nur auch hier darf man sich nicht täuschen lassen. Safty first. Versteckte Sicherheitssysteme und die Zäune meist mehr als 2,50m. Trotzdem. An diesem Samstagmorgen und bei - zugegebenermassen nicht perfektem -Sonnenschein auf der von wildem Wein zugewachsenen,pergolaumschlossenen Terrasse war ein völlig anderes Afrika zu spüren, als im hektischen, lauten Joburg. Das weiße Mittelklasseafrika mit Wurzeln zurück bis ins letzte Jahundert und ein bißchen Kolonialismus durchsetzten die Atmosphäre. Angenehm, warm und herzlich. Um keine Missverstaendnisse aufkommen zu lassen, Katherine und Murray – er zumindest sehr kolonial : mit Halstuch und Jacket am Samstagmorgen - sind alles andere als “bessere Weiße”. Beide sind unfassbar hilfsbereit und offen und verbringen ihre gesamte Freizeit in Hilfsprojekten. Mit Katherine haben Katie und ich uns gut und lange in der Küche unterhalten. “Wenn nur eines der Kinder einer Klasse, es schafft, dann weiß man, wofür man es tut.” waren ihre Abscchlussworte, die wir uns sehr zu Herzen genommen haben.
Weiter geht es zum Feriendomizil der Schulgründerin. Jackie und ihr Mann Peter besitzen ein Haus am Vaal, im der Siedlung “Three Oaks”. Auf dem Weg dahin -ohne das ganze Gepäck und mit zwei Mitreisenden weniger – besuchen wir noch als erstes schnell den Supermarkt des nächts grösseren Städtchen und unsere bunte Truppe – vier Teenager und zwei Erwachsene – wird interresiert beobachtet. Anscheinend erwecket unsere lustig flachsende Truppe den Eindruck einer – selbst für Afrika – exotischen Patchworkfamilie. Alles für das “brai” und das sonntägliche Brunchen zusammengesucht und weiter geht es. Allerdings mit noch einem Zwischenstopp:das - allerdings nur im Umkreis von vieleicht fünfzig Kilometern bekannte – legendäre “Oskars” . Einen echten – so versichert Melanie uns – “Africaans Streetstore”.
Leider habe ich nicht immer soviel Zeit wie brauche. Ich hänge jetzt schon hinterher. Bitte nicht boese sein. Ich gelobe Besserung und der zweite Teil folgt schnell. (Falls es überhaupt jemanden interessiert?)
suedafrika90days am 18. September 12
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2 Kommentare
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Natürlich interessiert mich das.... :-)
Untersteh dich nicht`s mit deiner Berichterstattung aufzuhören....
mich auch!
und über fehlende grundlagen müssen wir dann auch mal sprechen wenn du zurück bist