Sonntag, 14. Oktober 2012
Vermischtes - Ernst und erheiternd
Mal ein paar Sachen so für zwischendurch...
Letzte Woche gab es eine Drogenrazia an der Schule. Am Montag wurde die Schulleitung befragt, ob sie irgendwelche Einwände gegen einen Besuch der Drogenpreventionseinheit der Southafrican Police hätte, und hat diesem zugestimmt.
Am Donnerstag war es dann soweit. Im Staffmeeting am Morgen wurde die Zeit bekannt gegeben und der Ablauf erklärt und gegen 9:30 wurde dann eine Feueralarmübung ausgelöst. Die Schüler mussten alles mitnehmen - Jacken, Taschen und Rucksäcke - und sich zum Lineup aiuf der unteren Pausenhofebene einfinden. Unsere Aufgabe war dabei - da das nicht das erste mal war und Schüler etwas verschwinden lassen könnten - die Schüler dorthin zu begleiten und eben jenes zu verhindern.
Am Sammelplatz angekommen, reihten sich die Schüler klassenweise auf und ein paar Minuten später erschienen fünf Herren und eine Dame der Sondereinheit zur Drogenprevention. Allerdings in 4 verschiedenen Uniformen und in Zivil. Ansprache des Kaptains.(Chef von der Truppe)Jeder bekommt die Gelegenheit - sofern er etewas illegales dabei hat - sich vorab freiwillig zu melden. Sollte bei deer darauffolgenden Untersuchung etwas gefunden werden sei mit härteren Konsequencen zu rechnen. Sehr zu meiner Überraschung tretten etwas 12-15 Schüler aus den Reihen. Überrascht, bin ich nicht darüber das überhaupt Schüler vortreten, sondern über die hohe Zahl. An dieser Aktion sind - ich weiß nicht warum - nur etwa 150 Schüler beteiligt.
Dann wird reihenweise durchsucht. Die Mädchen - etwa 30 - werden seperat überprüft. Als erstes wird die Tasche, Rucksack oder was auch immer untersucht. Komplett auf einen kleinen Tisch entleert und jedes Buch, Heft oder Federmappe geöffnet und durchstöbert. Es finden sich Zigaretten und Feuerzeuge, kleine Pfeiffchen und ähnliches. Dinge , die an der Schule verboten sind, aber nicht allgemein illegal. Danach etrfolgt eine Leibesvisitation und die ist strenger, als ich sie an machen Flughäfen erlebt habe. Taschen entleeren, Brieftasche, Portmonaie oder selbst das zerknüllte Taschentuch öffnen. Jacke ausziehen und durchsuchen lassen. Danach komplett abtasten lassen, was den Schritt und unter den Achseln beinhaltet. Dann Schuhe aus und diese umdrehen. Immer mal wieder wird aus den Reihen jemand an einen speziellen Sammelplatz geschickt. Zufällig ausgesucht oder mit einem Verdacht des Polizisten, müssen diese Personen zum Drogenscreening erfahre ich. Nach etwa eineinhalb Stunden ist der Spuk vorbei. Von unseren neunzehn Schülern sind nur zwei zum schnelltest dabehalten worden, und die erscheinen nach etwa einer Stunde wieder und - so erklären sie zumindest - sind negativ befunden worden.
Das stellt sich allerdings im Laufe des Tasges als nicht so ganz wahr heraus, und ich werde darüber aufgeklärt, daß das Rauchen von dagga - kiffen - hier noch verbreiteter ist als bei uns. Allerdings erfahren wir weder die genauen Ergebnisse, noch die daraus entstehenden Konsequenzen. Ein Teil von südafrika, vor dem man nicht die Augen verschliessen darf und der nur eines der Probleme des Landes darstellt.
Ein ganz anderes Problem, ja eigentlich mehr ein Ärgerniss -und ich bin dankbar für die Zulassungsbescheinigiung Teil II - kurz Fahrzeugschein - ist die fehlende Erkennbarkeit und Zuordnung von Fahrzeugteilen. Warum ich drei bis vier mal die Woche Ersatzteile hole ? Weil ich sie einmal hole und dann dreimal umtausche.
Das geht wie folgt: wir reparieren der Anlasser eines Hyundai Bakkie(Eigentum der Schule ), in etwa so etwas wie eine Bullipritsche. Nachdem wir im workshop (Werkstatt) die Diagnose gestellt haben und der Anlasser zerlegt vor uns liegt, rufen wir bei Simone und Wayne - hier geht alles wie in America mit Vornamen und selbst wenn nicht...ihr kennt mich - von Midas Autoparts an. Ist ein Anlasserfür einen Hyundai Bakki H100 2,2l Diesel Baujahr 2003 vorrätig? Antwort: Überhaupt kein Problem. Jede Menge. Komm einfach vorbei. Gesagt getan. Und schlauerweise gleich das Muster mitgenommen. Auftritt Wayne: "Also den...den haben wir jetzt gerade nicht da. Der ist aber auch sowas von selten...Bestell ich dir aber. Morgen Mittag ist der da. " Ok 25km zurück. Nächster Nachmittag. 25 km. Freudig werde ich begrüßt. "Ulf, your startermotor is here!" Ein Blinder mit Krückstock erkennt auf 300m das dieser Starter nicht mal Ähnlichkeit mit dem von uns gesuchten Teil hat. Also dabei hat Wayne extra noch beim Großhändler den Starter beschrieben. Er weiß nicht wie das passieren konnte und entschuldigt sich tausend und ein Mal. "Is no problem. Give me the old one and we send it as a sample!" Na klar. Dummerweise liegt der aber wieder auf der Werkbank im workshop. Also 25km zurück. Am nächsten Nachmittag den Starter abgeliefert.Insgesamt 50km. Dann... voll freudiger Erwartung und selbstverstäbndlich nach einem Anruf - man lernt dazu - den Starter abholen. 25 km... Leider ist zwar das Muster zurück, allerdings vom Starter nur der Magnetschalter neu gekommen. Schade. Da hat wohl jemand was falsch verstanden. 25km. Und dann - auch hier haben Geschichten ein glückliches Ende - halte ich nach weiteren 25 km endlich überglücklich den richtigen Startermotor in den Händen. Nur noch 25 km zurück am Freitagnachmittag quer durch Joburg. Aber mir ist alles egal. Auf dieser Woge von Adrenalin und Endorphinen kann mich nichts mehr aufhalten. Jedenfalls nicht bis Montag. Denn da stellt sich heraus, das leider die Zähnezahl des Ritzels eine andere ist. Nur ein Zahn mehr...Was soll`s. 25 km hin und was dann passiert weiß ich auch noch nicht....
Hierbei handelt es sich nicht um eine Übertreibung. Im Gegenteil. Irgendwie braucht man selbst für einen Ölfilter ein Muster, anders ist nichts zu wollen. Leider stehen auf vielen Superbilligteilen keine Nummer und so bleibt es eine never ending story. Ach. Und ja. Selbstverständlich war ich schon bei Hursthillmotors, Autoparts 2000, Automotivespareparts Jackson, Parts unlimited, Cash parts, Goldspareparts etc...pp.Es ist wirklich überall das gleiche. Nein, es kann noch schlimmer kommen. Die Ludolfs sind hoffentlich allen ein Begriff? Hier ist der fünfte verschollene Bruder. (Ich glaube allerdings, das eher die Vier nach Deutschland ausgewandert sind und der Rest dieser gigantischen Familie aus Südafrika kommt) Aber zur Geschichte:
Die unendliche Saga der Lichtmaschine
Es begab sich um den Oktober 2012 in einen Land am südlichsten Ende der bekannten Welt in einer Stadt in der unendlich viele Menschen wohnen. In einer kleinen Lehrwerkstatt über den Hügeln der Stadt, wurde eine Lichtmaschine für kaputt erklärt und ausgebaut. Nachdem diese Arbeit getan war, beratschlagten die Meister der kleinen Schule was nun zu unternehmen sei. Da die Schule arm und das Auto alt ist, wurde beschlossen die Lichtmaschine um des Freilaufs und der neuen Kohlen willen, bei einem kleinen Handwerker, der sich auf derartige Überholungen spezialisiert hat abzugeben und voller Hoffnung auf eine baldige Instandsetzung zu warten. Gesagt. Getan. Also fuhr der eine - zur Hilfe aus einem fernen, kalten Land angereiste - Meister in die Stadt. Angekommen musste er sich erstmal vergewissern, das er auch tatsächlich an der richtigen Adresse war. Einen Fachbetrieb für Instandsetzung von Lichtmaschinen und Anlassern hätte er hinter der heruntergekommenen Fassade dieses Einfamilienhauses mit Garage nicht erwartet. Aber da er hier in einem fremden Land mit anderen Sitten und Gebräuchen lebt, betritt er doch mutig das Geschäft. Er versucht es jedenfalls, denn die Eingangstür läßt sich nur wenige Zentimeter öffnen. Sie klemmt nicht am Boden - dafür ist der zu ölig - sondern etwas liegt dahinter. Das stellt sich als ein Haufen Starter heraus, der aus seiner ursprüngliche Aufschüttung ins rutschen geraten ist und die Endlawine vor der Tür bildet, die freundlicherweiuse von einem Mitarbeiter soweit entfernt wird, das ich - luftanhaltend - das "Ladenlokal" betreten kann. Tatsächlich sieht es mehr nach einem Lokal aus, in dem soeben eine anständige Wirtshausprügelei stattgefunden hat.Sägespäne bedecken den Boden um die schlimmsten Ölreste zu binden und der Weg bis zum Tresen gleich einem Hindernisslauf zwischen Kisten und Kästen, Ölkanistern und - kein Scherz - Terrarien mit Schlangen. Etwas 5-6 zweihundert bis dreihundert Literbecken, die in hervorragendem Pflegezustand sind. Sauber, Wasser und elektrisches Wärmelampen von oben. Faul liegen die Tiere -das größte sicher ein Meter fünfzig im Sand und dösen vor sich hin. Ich habe mich zum Tresen vorgearbeitet, sehe mich aber vor ein neues Problem gestellt: ich kann zwar die Stimme auf der anderen Seite hören, doch leider niemanden sehen, da sich Teile diverer zum Auto gehörender Baugruppen etwa einen Meter hoch auf dem Tresen stapeln. Nach kurzer Zeit wird von der anderen Seite eine Bresche in diese Wand geschlagen und die Geräusche, die mich erreichen deuten darauf hin, das die Teile - relativ lieblos - einfach irgendwo hin geworfen werden. Das Gesicht eines älteren Herren erscheint - leider wenig freundlich, da er aus einer frischen Verletzung an der Hand blutet (vorraussichtlich hat er sich diese beim Brescheschlagen zugezogen) - und fragt nach meinem Begehr. Ich reiche ihm unseren Altenator herüber und bitte ihn um gebrauchten Ersatz. Als er sich wortlos umdreht und den Blick auf das, was hinter der Bresche liegt freigibt, bin ich mir sicher das ich im Westerwald bin. Türme und Haufen, in den Ecken bis zur Decke aufgetürmte - ja? was auch immer- Berge und mittendrin eine Werkbank, deren zulässige Nutzlast sichtbar überschrittren wurde. Sie biegt sich unter Ankern und anderen Motorteile bereits bedenklich durch. Der ältere, grauhaarige Herr mit Bürstenschnitt geht zielstrebig - sich die blutende, nicht "ganz" saubere Hand leckend - auf einen Stapel zu und entmimmt diesem aus der dritten Lage - nach einigen "Umräumen" - eine Lichtmaschine.
Schlürfend und das Beutestück begutachtend kehrt er zum Tresen zurück und reicht es mir durch die Lücke. "Nearly brandnew, 250 Rand." Sagt er während ich versuche ob es in meinem Kopf noch eine andere Bedeutung von "nearly brandnew" geben kann, die nicht "neuwertig" bedeutet. Der Klumpen Eisen -zweifelsohne in der Form einer Lichtmaschine - hat definitiv schon bessere Tage erlebt und die Frage nach seiner Funktionstüchtigkeit würde ich nicht uneingeschränkt mit "Ja" beantworten. Mein Schweigen und skeptischer Blick wird richtig gedeutet. "Give me one fifthy. If it is not working. Bring it back and we lock for another one.Ok?" Wortlos und sprachlos - ja, auch das kommt vor - reiche ich ihm einen200derter über den Tresen. "Shit. I don´t have change!" Somit reiche ich einen hunderter und einen zwanziger über die Theke und erhalte meinen Zweihunderter wieder. 12€ für eine gebrauchte Lichtmaschine. Nicht schlecht. Als ich wieder im Auto sitze, muß ich das Ganze erstmal an meinem inneren Auge vorbeiziehen lassen, und beschliesse die Geschichte im Blog zu veröffentlichen. Ich hoffe ihr habt beim lesen eben soviel Spass wie ich beim schreiben, aber vor allen Dingen beim erleben. Es güßt aus Afrika euer Ulf