Sonntag, 11. November 2012
Manchmal.....
Manchmal braucht es ein bißchen. Ein paar Minuten, wenn man morgens wach wird, um den Schlaf aus den Augen zu reiben. Einen Augenblick, wenn die Ampel auf grün umspringt,auch wenn man darauf gewartet hat. Jemand etwas fragt und man die Antwort weiß, sie aber nicht sagen kann, weil das Wort verloren auf der Zunge liegt und den Ausgang nicht findet. Dann nehmen wir uns die Zeit, die es braucht. Gern würden wir noch liegen bleiben um den nächsten Moment im Bett - und nur diese eine Minute - noch zu geniessen. Wir würden gerne warten, bis es wieder rot wird, weil wir so - dem Gedanken der uns durch den Kopf ging - noch einen Augenblick länger folgen können. Das Wort das wir suchen kann noch einen Augenblick warten. In Verstand rumzukrammen und Kisten zu öffnen mit anderen Worten, die wir zwar jetzt nicht brauchen, die aber einfach nur schön sind oder eine Geschichte erzählen.
Manchmal braucht es auch ein bißchen länger. Länger um das Wort zu finden. Den Anfang zu machen und loszufahren oder einfach zu wissen das vieleicht diese zwei Minuten unter der Decke, nicht das Ende der Welt bedeuten.
Südafrika ist so ein Platz. Es dauert länger. Vieles, nicht alles. Es sind die Menschen, die hier leben, deren Uhren anders gehen. Nicht viel. Aber manchmal 2 Minuten. Und wir, die wir von aussen kommen, stellen fest? Nichts. Es ändert nichts. Gar nichts. Manchmal stört uns das. Warum geht das nicht schneller? Antwort:"Und dann?" Was dann? Was tue ich mit der gewonnenen Zeit. Ich kann mehr machen. Frage:"Was denn?"Mehr arbeiten! Um mehr Zeit einzusparen, in der ich dann mehr arbeiten kann. Um mehr Zeit zu sparen?
Leider fehlt mir "das" Argument um als "Sieger" aus diesem Gespräch hervorzugehen. Hier wird es wohl keine Sieger geben. Und anscheinend keine Lösung. In manchen Augenblicken der vergangenen 60 Tage, ging es nicht schnell genug. Manche Augenblicke hätten auch ewig dauern dürfen.
Ewig an einer ausgefallenen Ampel zu stehen und so richtig geht es nicht voran. Am Tresen beim Telefonladen warten - als einziger - und keiner ist da. Warten das man mit dem Unterricht anfangen kann, aber bis der letzte - gemütlich gehend - in der Klasse eintrifft ist schon fast wieder Pause. Man unter dem Auto steht und auf Werkzeug wartet, während der Schüler auf seinem Weg die Langsamkeit für sich neu entdeckt.......
Auf einem Landrover zu sitzen, während eine Herde Elefanten um einen herum langsam die Strasse überquert. Durch eine Landschaft zu fahren, die so schön ist, das man jeden Stein, Strauch und jeden Halm im Gedächtnis behalten möchte, um dann festzustellen, das der nächste Stein, der nächste Strauch und der nächste Halm genau so merkenswert sind, oder noch mehr. In einer Aula zu sitzen und einem Chor aus Kindern zuzuhören, von dem jedes einzelne, einen auf alle Palmen treiben kann, die aber zusammen singen, das man weinen möchte vor Freude. Auch wenn man nicht versteht um was es geht. Morgens in die Schule zu kommen und einen wild zusammengewürfelten Haufen zu finden, aus Lehrern und Assistenten, die trotz aller Widrigkeiten sich freuen arbeiten zu dürfen. Aus der Tür zum Klassenzimmer zu gehen, und eine der verrücktesten Städte der Welt liegt einem zu Füßen. Einem riesigen Steak beim grillen zuschauen. Oder einen Geparden auf dem Schoß zu haben, dessen Schnurren du bis in deinen Bauch fühlen kannst.