Sonntag, 4. November 2012
Geburtstagsgrüsse
Weil sie glaube ich nicht angekommen sind: Nochmal alles Gute und Schöne und Liebe und Tolle und überhaupt zum Geburtstag aus JOBURG für Jori



Automobiles...schließlich bin ich deswegen hier!
Autos ! Hier macht sich der Unterschiedzwischen der ersten und der dritten Welt in Südafrika besonders bemerkbar. Es gibt alle Premiummarken der Welt. Und zwar so, das ich sagen würde, in Deutschland muß man danach mehr suchen. S und Cl Mercedes in 6,3l AMG, X5 von BMW und Audi Q7 gehören hier zum Strassenbild, wie gelegentlich - allerdings häufiger als in Deutschland - auch mal ein Ferrari oder ein großer Jaguar. Topgepflegt und ohne Schrammen und Kratzer rauschen die Boliden durch den Innenstadt- und Ausfallstrassenverkehr und ein gewisser achtungsvoller Abstand wird ihnen eingeräumt. Eine Autowäsche - innen .außen und polieren - kostet umgerechnet -wir reden hier von Handarbeit - zwischen 5-10€. Also gibt es Autofahrer, die - wenn sie ihr Fahrzeug morgens abstellen - es jeden Tag einmal waschen lassen. Die Vertretungen der großen Firmen, liegen an den Ausfallstrassen und - kooperate Identity sei Dank - fühlt man sich sofort in die Filliale seines Händlers in Deutschland versetzt. Farben gleich, Tische und Stühle gleich, Computer gleich, Werbung gleich und würde nicht ab und zu auch mal ein Schwarzer in den weißen Hemden und dunkelgrauen Hosen stecken, könnte man - ach so: selbst das Muster der Krawatten gleicht sich - sich irgendwo auf der Welt wähnen. Höflich und freundlich Kompetent wird einem auch hier weitergeholfen und nur die Preise varieren, abhängig vom aktuellen Randkurs. Allerdings bekam ich neulich in derr Mercedesvertretung mit, das man wenn man Pech hat auf nicht fahrrelevante Teile drei Wochen warten muß. Import aus Deutschland. Teile, die man braucht um den Schlitten zum fahren zu bringen - Steuergeräte, Kraftstoffpumpen, Zündungsteile oder Schlüssel zum Beispiel - dauern nur eine Woche. Allerdings fällt es mir schwer, mir vorzustellen - und das gilt meiner Meinung nach Weltweit - das ein Kunde der seinen 150.000,-€ teuren Mercedes bringen muß und erfährt das sein Steuergerät kaputt ist, darauf mit einer stoischen Ruhe reagiert und bereit ist, darauf evtl. eine Woche oder mehr zu verzichten. Und am schlimmsten ist die Vorstellung, das auch mal das falsche Teil kommt oder eine falsche Diagnose gestellt wurde. Der Job des Serviceleiters erscheint mir unter diesen in Bedingungen nicht als erstrebenswert.
Auf der anderen Seite steht das "normale" Volk. Toyota, Nissan und Hyundai, Kia, Opel - ja wirklich Opel - und VW, BMW und Mercedes, Audi und Ford, Renault und Peugeot, Alfa und ein paar Exoten, wie den indischen hersteller TATA. Alles da. Preise wie in Europa und die Modelle nur mit anderen Namen. Der Golf heißt hier Fox und der Escort wird als Pickup angeboten und heißt Bantam. Der Nissan Navarra heißt Hardbody und so weiter und so fort... Gebrauchtwagen sind teuer und sobald sie in die älteren Semester gehen, steigt der Preis für "Schrott" unproportional. Nehmen wir meinen roten Renner: Toyota Corolla Baujahr 1997 und mit einer 1,3l Maschine und "ehrlichen" 320.000 km auf dem Tacho. Fast neu also. ( 300.000 km sind hier nicht ungewöhnlich und man stellt fest, das es auch funktioniert ) Mindestens zwei mal am Tag spricht mich jemand auf das Fahrzeug an, und fragt für was einen Preis ich ihn verkaufen würde? Bei den ersten Malen noch erstaunt, bin ich jetzt dazu übergegangen nach dem Angebot zu fragen. Und inzwischen bin ich auch über Angebote von deutlich mehr als 3000,-€ nicht mehr verwundert. Dazu muß man wissen, das alles was fährt, auch tatsächlich auf den Strassen unterwegs ist. Hauptuntersuchung alle zwei Jahre hier Fehlanzeige. (Also an alle GTÜler aus Babenhausen: Ein Paradies für Untersuchungen und Nachprüfungen!) Hier gibt es nur die Road Safety. Und die wird nur gemacht wenn das Auto verkauft wird. Bremsen,Licht und Motor - wobei hier anscheinend nur geprüft, wird ob der noch da ist. Also alles in allem, ist hier doch die Devise Trumpf: Schrott wird flott. Beispiel: Audi A3 eines der Schultrustmitglieder. In Deutschland würde ich für den 14 Jahre alten 1,8l mit 240.000km und diversen starken Beschädigungen der Karosserie höchstens noch 500,-€ bezahlen. Motor hat keine Leistung und Aussetzer, das Auto sieht innen aus wie "bah" und nach einer gründlichen Inspektion, stellen sich diverse Beschädigungen der Vorderachse heraus und ein starker Ölverlust. Beide Fensterheber funktionieren nicht -gerissene Züge - und die Spiegel hängen traurig wie Schlappohren herab. Wert des Autos auf dem privaten Markt hier in Joburg: 2500,- bis 3500,- €. Also setzen wir ihn mit Hilfe der Schüler wieder instand. Teilekosten grob überschlagen etwa 1500,-€. Und selbst dann sind nur die sicherheitsrelevanten Teile und die Fensterheber erneuert.
Neulich haben wir die Stoßstange eine SLK lackieren lassen. Ich bin schon ein bißchen herumgekommen in der Welt und habe im Bereich Auto echt viel gesehen, aber diese Geschichte will ich euch nicht vorenthalten.
Ein SLK wurde uns zur Reparatur übergeben. Diverse technische Mängel und ein leichter Unfallschaden an der vorderen Stoßstange. Kunststoff eingerissen und Lack verkratzt. Allerdings in meinen Augen so stark, das ich sie weggeschmissen und eine neue gekauft hätte. Verwunderte Gesichter! "Kein Problem" Kein Problem? Ach. So? Und wie? Ich hatte in meine Überlegungen nur einbezogen, das die Löhne hier geringer sind als in Deutschlnd. Wieviel geringer sie sein können - das war mir nicht klar. Also ausgebaut und auf den Bantam geladen und mit dem Hausmeister - der kennt den Weg - zu "Smuts", dem Panelbeater (Lackierer) gebracht. Strasse runter, rechts, links , und dann noch ein paarmal im Kreis...schon da. Nur 10km. Hoffentlich finde ich das wieder? Eine gelb gestrichene Mauer - 25 Meter lang - und ein rostiges Tor. Was uns hinter dem Tor erwartete, hatte soviel mit einer Autowerkstatt zu tun -geschweige denn Lackiererei - wie ein Brötchen mit einer Rakete. Um die Ecke auf den Hof geschaut, hätte ich es im ersten Moment für einen illegalen Schrottplatz gehalten. Im zweiten für den Kollateralschaden nach einem Kampfeinsatz und auf den dritten...Ja, ich weiß gar nicht? Für was eigentlich! Ungefähr 20 Autos in diversen Zerlegungszuständen. Von Ausgeschlachtet bis Teilzerlegt. Von Totalschaden bis fast fertig. Das Ganze auf einem Platz, der - wenn man ihn als Schotterplatz bezeichnen wollte - jedem Strassernbauer die Haare zu Berge stehen lässt. Die geschätzte größte ebene Fläche beträgt etwa - nun wir wollen es nicht schlechter machen als es ist - 0,5 qm. Überall liegen Teile herum und in einer Ecke wird von zwei Farbigen mit einem Brenner und einem -aus einer Federkernmatratze herausgetrennten - Draht ein Blech an die A-Säule eine alten Fiestas angeschweißt.Mit einer langen Kette und einem echten Dozer (Hydraulische Zugvorrichtung) - allerdings unfachgemäß an der vorderen Kühlertraverse - der man das auch ansieht - abgestützt, soll dieser Fiesta um etwa 15 cm verlängert werden. In Deutschland ein Richtbankschaden -bei dem Baujahr sowieso Totalschaden - wird hier daraus ein fahrfertiges Auto gezaubert. Allerdings spielen Knautschzone und Blechfestigkeitswerte und ähnliche"unsinnige" Faktoren hier keine Rolle. Hoffentlich und möge "wer auch immer " das verhüten, hat dieses Auto nie wieder einen Unfall. Bei der Ausnutzung von Fahrzeugen hier, kann es nur für die vielen - manchmal bis zu 7 - Passagiere in so einem "Seelenverkäufer" zum Tode führen. Vorsichtiges Nachfragen zeigte mir allerdings, das ich der einzige mit derartigen Bedenken war. Aber deswegen waren wir nicht hier.Wir wollten ja nur eine Stoßstange reparieren. Das ich mich nach einer "sprayboost" (Lackierkabine) umsonst umschaute brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Ein paar einsame Lackdosen und ein Tisch, über und über mit Farbresten überzogen sowie ein Eimer mit Wasser in dem diverse Reste von Schleifpapier schwimmen, ist das Lackkompetenzzentrum. Kurze Beschreibung des Arbeitsauftrags, von der ich annahm, das sie umsonst gesprochen wurde und die Ansage der original Farbnummer, die niemand wissen wollte - ich nehme an weil niemand etwas mit ihr anfangen konnte - und eine knackige Preisverhandlung mit dem Ergebnis von umgerechnet 20,-€ und der Termin zur Abholung wurde vereinbart.
Mit einem Gefühl der Verzweifelung schlich ich vom Platz, und wäre in dem Moment froh gewesen meine Stoßstange wieder mitnehmen zu können. Selbst 20.-€ erschienen mir für das zu erwartende Resultat ein Vermögen. Montag war ausgemacht, um die Stoßstange wieder abzuholen. Mittwoch bin ich wieder hingefahren. Und Freitag, habe ich sie abgeholt. Man kann sich mein Erstaunen vorstellen als ich eine neue Stoßstange vorfand. Zumindest dachte ich so, bis ich auf der Rückseite die Reparaturstellen sah. An dieser Stelle spreche ich Smuts mein vollstes Vertrauen aus. Perfekte Arbeit. Mit der Sprühdose lackiert. Risse und Dellen perfekt repariert und gespachtelt und die Oberfläche so, das sich eine Fliege beim Landen die Beine bricht. Ich schwöre, das es keine Staubeinschlüsse gab, und keine Orangenhaut. Trotz penibelster Suche fand ich kein Haar in der Suppe, geschweige denn einen Kratzer auf dem "Bumper". Der "van Gogh der Sprühdose" war allerdings nicht ganz zufrieden. "Die Farbe ist nicht hundertprozentig die Gleiche wie vorher!"warf er besorgt ein, und ließ sofort 20 Rand vom Preis nach. 10% immerhin. Ich habe den vollen Preis bezahlt, und habe mehere Leute nach dem Anbau des Teiles nach dem Lackunterschied befragt. Keiner - mich eingeschlossen - hat auch nur in etwa eine Abweichung feststellen können. Afrika at its best. Wenn man diesem Mann aber eine Spühpistole und eine Maske gibt und ihn seine Arbeit in einer modernen Lackierkabine machen lässt, zweifele ich, das auch nur ein 50%tiges Ergebnis zu erzielen wäre. Und wieder einmal gilt: andere Länder, andere Lackierer mit anderen Sitten.
Übrigens: Smuts ist inzwischen ein guter Geschäftspartner und der Preis den er verlangt, wird ohne zu verhandeln akzeptiert. Gutes Arbeit und Qualität hat ihren Preis. Und das ist auch gut so........