INGWELALA 2
Es tut mir leid wenn es so lange gedauert hat um weiterzuschreiben. Allerdings hat sich in der Zwischenzeit eine Menge getan, und ich sitze im Sabi Riversun Resort auf der Terasse und schaue den Nilpferden zu, wie sie ab und zu träge den Kopf aus dem Wasser heben um zu atmen. Wie ich nun wieder hier hingekommen bin ? Eine lange Geschichte. Aber jetzt ist eigentlich Zeit sie zu erzählen.
Nachdem wir das letzte Gate passiert haben, fahren wir auf kleinen Dirtroads, unbefestigt und staubig durch Ingwelala. Hübsche rietgedeckte, an überdimensionale Rundhütten erinnerde Bungaloews tauchen auf. Wie beim Würfeln hingeschmissen und umrandet von trockenen Büschen, stehen sie mal hier mal dort. Auf einem großen Platz reiht sich Landrover an Landrover, alle grün und mit dem typischen Safariaufbau. Dahinter ein Fernsehsaal und ein Shop, nebenan lacht in einem strahlenden Blau des neuen Swimmingpool. Alles sieht neu aus. Das liegt an der Flutwelle, die vor einigen Monaten hier durchgekommen ist. Wenn man hinschaut erkennt man an allen Ecken die Reste die das Wasser mitgebracht hat.
Allso erstmal den Landrover starten. Servicecheck ist gemacht. Ouittung liegt drin. Nur starten tut er nicht. Läuft auf allerhöchstens vier Zylindern. Also mal schnell die Kerzen raus. Die sehen erstaunlich gut aus für einen V8, der mit max 2000Touren im zweiten Gang durch den Busch tuckert. Also einhellige Meinung von Bruce und mir: Missfire - falsche Zündung. Nichts leichter als das. Einfach aus den ca. 250 Landrovern einen V8 rausgesucht und unter die Haube geschaut. Zündfolge rausgefunden, aufgeschrieben und bei uns umgebaut. Besser. 6 von 8.Scheint ja keiner hier richtig zu laufern. Also nach Altvätersitte. Alles rausreissen und neu machen. Ein riesiges Stück Kernschrott wie ein Rover V8 Motor der nicht läuft. Gibt es nicht. Also schnell mal in der hauseigenen Werkstatt nach der Zündfolge gefragt. Nelson erscheint. Er schlurft typisch afrikanisch heran und fragt erstmal, ob wir was verändert hätten. Noch freundlich antworte ich: "die Zündfolge", was ihn dazu bewegt uns zu erklären, das das jetzt wohl alles etwas länger dauern wird, dreht sich um und verschwindet. Er geht Autowaschen. Nur mit etwas Aufwand gelingt es Peter mich davon abzuhalten Nelson meine Meinung etwas weniger freundlich mitzuteilen.
Heinz, Manager und Halbdeutscher erscheint. Der weiß nach anfänglicher Skepsis, das die Zündfolge irgenwo auf dem Motor steht. Rasch gesucht und gefunden, eingesteltt und läuft...nicht! Nelson etwas abseits stehend lacht hämisch. Aber wie heißt es so schön...Wer zuletzt lacht...180° drehen und schon erfüllt ein sonores V8Blubbern den Busch. Bruce und Nio erstaunt. Heinz und Nelson ungläubich und Peter glücklich. Und ich: dreckig.
Also mit einen brummelnden V8 zum Haus. Kühlschrank eingeräummt und Zimmer bezogen. 3 Schlafzimmer und 2 Bäder machen das leicht. Bruce und Neo, Peter und ich jeweils eins. Und dann - inzwischen vier Uhr - raus in den Busch. Fahren darf Neo. Trotz seiner siebzehn Jahre ein guter Fahrer - fährt seit er zwölf ist, Peter Landrover in Ingwelala- - und ist vertraut mit den Strecken. Ich will es kurz machen. Eine Erfahrung für sich. Wer hier fährt liebt den Busch. Es geht nicht nur um die "Big Five". (Nashorn, Büffel, Löve, Leopard, Elefant). Jeder Vogel wird gesehen, jedes Knacken im Unterholz versucht zu erkennen, jedes Tier wird beobachtet. Als erstes begenet uns eine Giraffe. Majestätisch schreitet sie plötzlich aus dem Busch. Man bleibt stehen. Motor aus, warten, beobachten. Leise Alter und Geschlecht diskutieren. Das ist anders im Backseat des Landis als vom Gitter im Zoo. Viele Tiere begegnen uns. Elefanten und Büffel, ohne Ende Impalas, Affen und Mungos, Störche und Hornbills. Ich sitze nur noch schweigend oben und schaue mich um. Tief beeindruckt von der Vielfalt und der Fremdheit der Welt um mich herum.
Zum Abendessen - sprich Braai - zurück ins Haus. Feuer an, Stühle raus, Bier und Cola auf den Tisch und dann am offenen Holzfeuer nach dem Essen den Abend ausklingen lassen. 10.00 Bettzeit. Fünf Uhr nächster Morgen geht es wieder raus. Kaffee und Cola eingepackt, ein paar Rusks dazu( Rusk : zu Stein gewordenes Müsli, das in Kaffee oder Milch gestippt wir. Südafrikaner lieben es. Nachdem der Versuch es in Cola zu stippen sich als ecklig erwiesen hat, nehme ich jetzt Milch.)und ein bißchen Obst. Neo fährt, wir schauen. Die Luft ist um halb sechs voll Vogelstimmen und die Luft ein Traum. Langsam erwacht oder geht der Busch zu Bett, abhängig von der jeweiligen Spezies. Traumhaft. Büffel kreuzen unseren Weg und Elefanten ziehen wie selbstverständlich vor uns her. Wir hören die Löwen brüllen, sehen sie aber nicht. Bis Mittag habe ich zwei von fünf "big Five" . Dann zurück zum Haus und einen kurzen Mittagsschlaf eingelegt. Der fällt allerdings nicht so kurz aus, und wird von den Affen genutzt um und die Bananen aus der Küche zu stehlen, denn wir haben - einer schiebt es auf den anderen - vergessen die Tür zuzumachen. Trotzdem ist es schön die kleinen Diebe auf der Mauer gegenüber dem Haus zu beobachten, wie sie mit schelmischer Freude die Beute verspeisen. Danach erstmal zum Pool. Hier hat sich mein Ruf schon herumgesprochen und wir werden von vielen Leuten am und im Pool in Gespräche verwickelt. Ob ich denn länger da wäre? Wenn ja könnte ich doch vieleicht mal eben....Peter wimmelt sie - sehr zu meiner Freude - alle mehr oder weniger höflich ab. Allerdings hat Peter schon beschlossen, das wir noch einmal fahren. Da sind noch ein paar Sachen am seinem Landi zu machen. Ich willige gern ein. Sichert mir das doch ein zweites Safariwochenende. Schnellen Snack und wieder raus. Richtiges Glück für mich. Nummer drei von fünf läuft über den Weg. Vieleicht dreißig Meter entfernt schleicht ein Leopard durch ein ausgetrocknetes Flussbett. Prachtvoll und sich seiner Schönheit voll bewußt, scheint er zu wissen, das ihn viele Augenpaare beobachten. Aber vieleicht auch nicht. Von Kameras hat er jedenfalls keine Ahnung. Sonst wüsste er, das auf diese Entfernung sein Posing nichts nützt. Nicht bei dem Licht. Zumindest meine Kamera kriegt ihn nicht digitalisiert.
9.30.Braaitime an der Feuerstelle. Steaks, Bier und Cola, Backkartoffeln und Avocados. Aber von wegen: Ende des Tages und Ausklingen und so. Neo beschließt das ich eine Nachtfahrt mit ihm machen müsse. Wohl eher, weil er jemanden Erwachsenen braucht im Auto. Trotzdem freue ich mich. Ein besonderes Erlebnis. Wer oder was nicht schläft, ist auf den Beinen. Der Busch ist - abgesehen vom fehlenden Vogelgeschrei - keineswegs still. Wieder brechen vor uns Büffel und Elefanten durch das Holz, nur das man sie diesmal erst sieht wenn ihre Augen das Licht der beiden starken Suchscheinwerfer reflektiert. Und nachts sind Elefanten auch grau. Und schwer zu sehen. Aber vor allem beeindruckend. Eine halbe Stunde auf dem Airfield - den zum Camp gehörenden Privatflughafen - mit Motor aus und die Stille geniessen. Es fehlen jegliche Geräusche der Zivilisation. Kein Radio- oderFernsehgedudel, keine Autos, keine Gespräche, kein Sirren von Stromleitungen, nichtmal das Rauschen von Wasser. Einfach still. Stille, die schon fast in den Ohren wehtut, sagt Neo.
Am nächsten Morgen schnell noch mal raus und dann packen. Zwischendurch haben wir noch schnell die undichten Vergaser aus dem Landrover ausgebaut - irgenwelche Gleichdruckvergaser, die aussehen wie alte /8 Strombervergaser, aber keine sind - und nehmen sie mit nach Joburg zum Spezialisten. Während ich die Dinger ausbaue, komme ich ins Gespräch mit Heinz. Der fragt auch gleich wann ich wiederkomme und ob ich vieleicht mal nach seinem V8 schauen würde? Gern willige ich ein. Er ist hier ein Manager...Wer weiß.
Auf dem Rückweg habe ich dann noch die Begegnung der besonderen Art. Vor dem letzten Gate kreuzt eine Herde von vieleicht 70Büffeln die Fahrbahn. Gebannt schauen wir diesem Verkehrshindernis zu und diese Zeit hilft um Nummer vier auf der Liste abzuharken. In einigen Kilometern Entfernung halten wir am Rand an, weil dort mehere 4x4 parken. Genüßlicht aalend liegen dort ein paar Löwen in der Sonne und schauen träge zu uns herüber. Ein wahnsinniges Gefühl. Keine Zootiere. Wildtiere. Dieser letzte Eindruck an diesem Wochenende macht es perfekt. Es fällt schwer nach Joburg zurückzukehren und zu arbeiten. Aber hier hilft die Vorfreude. Zu wissen, das man dort nochmal hinkommt. Ich freue mich riesig. Und dann wurde alles doch ganz anders....
suedafrika90days am 02. Oktober 12
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